BEHIND THE BOOK | ILLUSTRATORIN SARAH NEUENDORF

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"Zur Selbstständigkeit gehört eine so große Portion Tapferkeit, dass wir ohne weiteres auch mit Haien kuscheln, Vogelspinnen Socken anziehen oder aus Flugzeugen springen könnten."

- Sarah Neuendorf -

Sarah Neundorf ist die Gründerin von "Gretas Schwester" und verantwortlich für die wunderschönen Illustrationen in "Einfach Machen". Sarah und ich haben uns über Jules Villbrandt kennengelernt und als die Idee aufkam, das Buch zu illustrieren, war klar: Sarah und ihre Arbeiten passen perfekt zur unserer Idee. Im Interview verrät sie, wie und warum sie sich selbstständig gemacht hat und was dabei die besonderen Herausforderungen als Mutter sind.

Wann und warum hast du dich Selbstständig gemacht?

2014 saß ich in meiner Studentenbude in Bremen, in die ich kurz zuvor aus Berlin gezogen war. Ich hatte nach einer tollen Grafik Design Ausbildung noch ein Studium dranhängen wollen und musste jetzt feststellen, dass das Studium nicht zu mir passte und ich einfach riesige Lust hatte, anzufangen zu arbeiten. In diesem Jahr wurden drei meiner Nichten geboren und jede von ihnen bekam ein handgebundenes Babybuch. Neben Kalendern, die ich der Familie zu Weihnachten schenkte, designte ich noch einige Postkarten und eröffnete dann einen Dawandashop namens Gretas Schwester. 

Was war die Initialzündung, der Moment, an dem du wusstest, ich mach das jetzt einfach?

Neben meinem Shop habe ich mich immer wieder bei Verlagen beworben. Mein Traum war ursprünglich Kinderbuchillustratorin zu werden. Fast kein Verlag meldetet sich zurück und wenn, dann hatten sie einfach keine Stellen zu vergeben oder ich passte irgendwie nicht. Je erfolgreicher Gretas Schwester wurde, desto mehr merkte ich, ich kann ja auch mein eigenes Ding machen. Wenn ich gerne Bücher illustrieren möchte, ja warum denn nicht?! Wenn ich eine Geschichte herausbringen mag, dann kann ich das doch einfach im Selbstverlag tun! Nach einem harten ersten halben Jahr kam das erste Weihnachtsgeschäft, in dem ich von Markt zu Markt getingelt bin und viele tolle Leute kennengelernt habe und plötzlich von den Einnahmen leben konnte. Ab da gab es kein Zurück mehr. 

Was war ein besonders schöner, spannender oder aufregender Moment in deiner Selbstständigkeit?

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Diesen Sommer waren wir in unserer Elternzeit in Portugal. Da man irgendwie mit kleinem Kind kommunikativer wird, kamen wir in einem Restaurant schnell mit einer netten Familie aus der Schweiz ins Gespräch und wir verbrachten viele Abende zusammen. Irgendwann stellten wir fest, dass der kleine Sohn der Familie meine Weltkarte in seinem Zimmer hängen hat und seine Mutter mir schon lange auf Instagram folgt. 

Ich freue mich immer so sehr, auf Leute zu treffen, die meine Produkte kennen und schätzen, denn ich kann es immer noch kaum glauben, dass man mit dem was man so sehr liebt, Geld verdienen kann.

Hast du schon einmal gezweifelt, ob es der richtige Weg für dich ist? Warum oder warum nicht?

Zweifel sind mein ständiger Begleiter, vor allem seit ich ein neues kleines Teammitglied an meiner Seite habe. Selbstständig sein ist nervenraubend und oft sehr sehr zeitintensiv. Manchmal denke ich, „Komm ich lass das jetzt einfach alles bleiben und suche mir einen festen Job“, gehe fröhlich und ohne Stress in die Elternzeit und wenn ich oder das kleine Mädchen mal krank sind, dann ist das eben so. Doch dann denke ich daran, wie es wirklich wäre, jeden Morgen ins Büro zu gehen, für jemand anderen zu arbeiten und alle, wirklich alle Zweifel sind wie weggewischt! Ich bin dankbar,  so frei arbeiten zu können und meckere wirklich selten über meine Arbeit. Bei vielen Angestellten beobachte ich immer wieder eine Unzufriedenheit im Job. Mein eigener Chef zu sein ist für mich und meine Arbeitsweise das Beste, was mit passieren konnte.

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Du bist vor kurzem Mama geworden, wie hat das deinen Arbeitsalltag verändert?

Seit ich Mama bin schaffe ich definitiv mehr in viel weniger Zeit. Statt mich morgens irgendwann gemütlich an den Laptop zu setzen, hat meine Tochter wenn sie wach ist Priorität. Bzw. Sie lässt mich ganz klar merken, dass sie es besser finden würde, wenn ich mich um sie kümmere, anstatt Mails zu beantworten. Doch sobald sie ihren Mittagsschlaf macht, flitze ich vor den Rechner oder an den Malkasten und lege los. Auch lange Abende vor dem Aquarellpapier sind keine Seltenheit. Inzwischen liebe ich es sogar, nach dem Abendbrot noch einmal richtig loszulegen. Außerdem werde ich von der Familie sehr gut unterstützt, um auch mal zu normalen Bürozeiten Dinge zu erledigen. Im Moment ist sie z.B. mit ihrem Opa auf dem Spielplatz.

Was sind deine Top 3 Tipps, wenn man sich Selbstständig machen möchte?

Das aller aller Wichtige und es klingt irgendwie fast zu einfach: Du musst es wirklich wollen! Ich bin der festen Überzeugung, dass mit einem starken Willen viele Hürden genommen werden können und die Lust an der Sache sich auch auf den Gegenüber und mögliche Kunden überträgt.

Außerdem ist natürlich ein gutes und funktionierendes Netzwerk gold wert. Leute die ähnliches durchgemacht haben oder gerade durchmachen. Zusammen ist man stark und aus vielen meiner Jobfreunde sind mit der Zeit richtige und tolle Freundschaften geworden.

Und zu guter Letzt, Mut. Mut auch mal auf die Nase zu fallen, einen Monat nur Reis mit Sojasauce zu essen oder die Eltern um Geld anzupumpen.Zur Selbstständigkeit gehört eine so große Portion Tapferkeit, dass wir ohne weiteres auch mit Haien kuscheln, Vogelspinnen Socken anziehen oder aus Flugzeugen springen könnten.